Die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP, ist eine Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine betrifft. Für Menschen stellt das Virus keine Gesundheitsgefahr dar. Für Schweine kann eine Infektion jedoch schwerwiegende Folgen haben. Entsprechend wichtig sind Maßnahmen, mit denen betroffene Gebiete überwacht, mögliche Infektionsquellen frühzeitig erkannt und die weitere Ausbreitung eingedämmt werden kann.
Eine besondere Herausforderung besteht dabei in der Kontrolle großer und teilweise schwer zugänglicher Flächen. Wälder, landwirtschaftliche Flächen, Schilfgebiete oder dicht bewachsene Areale lassen sich vom Boden aus nur mit erheblichem personellem und zeitlichem Aufwand absuchen. Ergänzend zu klassischen Such- und Monitoringverfahren können deshalb zunehmend Drohnen und moderne Fernerkundungstechnik eingesetzt werden.
Was ist die Afrikanische Schweinepest?
Die ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die ausschließlich Schweineartige betrifft. Eine Übertragung kann sowohl durch direkten Kontakt zwischen Tieren als auch indirekt über kontaminierte Gegenstände, Fahrzeuge, Lebensmittel oder andere Materialien erfolgen.
Eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung und Überwachung spielen Wildschweinbestände. Insbesondere in Regionen mit bestätigten ASP-Fällen müssen Bestände, Bewegungen und mögliche Fundorte verendeter Tiere möglichst genau erfasst werden.
Wird ein infiziertes Wildschwein nicht oder erst spät gefunden, kann der Tierkörper über einen längeren Zeitraum eine potenzielle Infektionsquelle darstellen. Eine schnelle und systematische Suche nach Fallwild gehört daher zu den wichtigen Bestandteilen der Seuchenbekämpfung.
ASP in Deutschland: Zahlen und Entwicklung
Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland seit September 2020 nachgewiesen. Seitdem wurden nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes mit Stand vom 2. Oktober 2026 insgesamt 9.301 ASP-Fälle bei Wildschweinen durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt. Besonders betroffen waren unter anderem Brandenburg mit 3.499 und Sachsen mit 2.487 bestätigten Fällen. Die Zahlen zeigen, dass die ASP auch mehrere Jahre nach ihrem erstmaligen Auftreten in Deutschland weiterhin ein relevantes Thema für Tierseuchenbekämpfung, Behörden, Landwirtschaft und Jagd darstellt. Gleichzeitig ist das Infektionsgeschehen regional sehr unterschiedlich und kann sich durch neue Ausbrüche verändern. Eine kontinuierliche Überwachung gefährdeter Gebiete und die möglichst frühzeitige Erkennung infizierter oder verendeter Wildschweine bleiben deshalb wichtige Bestandteile der ASP-Bekämpfung.
Quelle: Deutscher Jagdverband, „Afrikanische Schweinepest“, Stand 02.10.2026, auf Grundlage der bestätigten Fälle des Friedrich-Loeffler-Instituts:
https://www.jagdverband.de/afrikanische-schweinepest
Was versteht man unter einer ASP-Schutzbefliegung?
Bei einer ASP-Schutzbefliegung werden definierte Gebiete mithilfe von Drohnen systematisch aus der Luft kontrolliert. Je nach Aufgabenstellung können dabei hochauflösende Kameras, Wärmebildkameras oder weitere Sensorsysteme eingesetzt werden.
Ziel ist es, einen möglichst umfassenden Überblick über das jeweilige Gebiet zu erhalten und Auffälligkeiten zu erkennen. Dazu können lebende Wildschweine und deren Bewegungsmuster ebenso gehören wie mögliche Hinweise auf Fallwild.
Die Drohne ersetzt dabei nicht automatisch die Kontrolle am Boden. Vielmehr kann sie als zusätzliches Werkzeug dienen, um große Flächen schneller zu untersuchen und Suchmaßnahmen gezielter zu koordinieren.
Wärmebildtechnik zur Erkennung von Wildtieren
Eine wichtige Technologie bei der Befliegung von Wald- und Freiflächen ist die Thermografie. Wärmebildkameras erfassen Temperaturunterschiede innerhalb eines Gebietes. Lebende Tiere können sich dadurch unter geeigneten Bedingungen deutlich von ihrer Umgebung abheben.
Besonders günstig können beispielsweise die frühen Morgenstunden sein, wenn die Umgebung noch vergleichsweise kühl ist und sich die Körpertemperatur der Tiere stärker von Boden und Vegetation unterscheidet.
Die tatsächliche Erkennbarkeit hängt allerdings von zahlreichen Faktoren ab. Dichte Baumkronen, starke Vegetation, hohe Außentemperaturen, Geländeformen und die Flughöhe können die Ergebnisse beeinflussen. Wärmebildtechnik ist daher kein Verfahren, das unter allen Bedingungen eine vollständige Erfassung garantiert.
Große und schwer zugängliche Gebiete kontrollieren
Ein wesentlicher Vorteil drohnengestützter Verfahren liegt in der Möglichkeit, größere Gebiete systematisch zu erfassen. Gerade in unwegsamem Gelände kann eine Suche durch Personen zeitaufwendig sein.
Dichte Waldbestände, Feuchtgebiete, Schilfgürtel, steile Geländeabschnitte oder schwer erreichbare Freiflächen stellen klassische Suchteams vor besondere Herausforderungen. Drohnen können solche Bereiche zunächst aus der Luft untersuchen, ohne dass Personen unmittelbar in jeden Teil des Gebietes vordringen müssen.
Werden dabei auffällige Positionen erkannt, lassen sich diese geografisch dokumentieren. Bodenteams können anschließend gezielt zu den entsprechenden Stellen geführt werden und dort eine nähere Überprüfung durchführen.
Suche nach Fallwild
Neben der Beobachtung lebender Wildschweine kann die Suche nach verendeten Tieren eine wichtige Aufgabe im Rahmen der ASP-Bekämpfung sein.
Dabei ist die Detektion aus der Luft anspruchsvoll. Ein Tierkörper ist nicht unter allen Bedingungen eindeutig mit einer Wärmebildkamera zu erkennen. Vegetation, Liegezeit, Umgebungstemperatur und weitere Faktoren beeinflussen die Sichtbarkeit.
Deshalb können je nach Situation unterschiedliche Sensoren und Aufnahmemethoden miteinander kombiniert werden. Neben Wärmebilddaten können beispielsweise hochauflösende RGB-Aufnahmen zur visuellen Bewertung auffälliger Bereiche herangezogen werden.
Verdachtsstellen müssen anschließend am Boden kontrolliert werden. Die Drohne dient somit vor allem dazu, Suchräume einzugrenzen und die Arbeit der eingesetzten Teams zu unterstützen.
Systematische Flugplanung und Dokumentation
Ein weiterer Vorteil einer Schutzbefliegung besteht in der planbaren und dokumentierbaren Vorgehensweise. Statt ein Gebiet ausschließlich punktuell zu beobachten, können zuvor festgelegte Flugrouten verwendet werden.
Dadurch lassen sich Flächen strukturiert abdecken. Flugwege, Aufnahmen und erkannte Positionen können dokumentiert und bei späteren Einsätzen erneut berücksichtigt werden.
Wiederholte Befliegungen können insbesondere dann interessant sein, wenn Veränderungen über einen bestimmten Zeitraum beobachtet werden sollen. Werden vergleichbare Flugrouten und Sensorparameter genutzt, lassen sich Aufnahmen verschiedener Zeitpunkte gegenüberstellen.
So können beispielsweise Veränderungen bei Aufenthaltsbereichen oder Bewegungsmustern von Wildschweinen sichtbar werden.
Drohnen als Ergänzung zu Maßnahmen am Boden
Bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest gibt es keine einzelne technische Maßnahme, die sämtliche Anforderungen abdecken kann. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel unterschiedlicher Verfahren.
Dazu können unter anderem Fallwildsuche, Probenahmen, Zäune, jagdliche Maßnahmen, behördlich definierte Restriktionszonen und die regelmäßige Überwachung bestimmter Gebiete gehören.
Drohnenbefliegungen können in diesem Zusammenhang zusätzliche Informationen liefern. Ihr Vorteil liegt insbesondere in der schnellen Übersicht aus der Luft und der Möglichkeit, größere Gebiete strukturiert zu untersuchen.
Gleichzeitig müssen die gewonnenen Daten fachlich bewertet und auffällige Stellen gegebenenfalls durch Einsatzkräfte vor Ort überprüft werden.
Planung einer ASP-Schutzbefliegung
Welche Technik und Vorgehensweise für eine Schutzbefliegung sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Gebiet und vom konkreten Einsatzziel ab. Eine offene landwirtschaftliche Fläche stellt andere Anforderungen als ein dichter Laubwald oder ein ausgedehntes Schilfgebiet.
Vor einem Einsatz sollten daher unter anderem Flächengröße, Vegetation, Gelände, Zugänglichkeit, gewünschte Sensorik und geeignete Befliegungszeiten berücksichtigt werden. Ebenso sind die jeweils geltenden luftfahrtrechtlichen, naturschutzrechtlichen und behördlichen Vorgaben zu beachten.
Eine ASP-Schutzbefliegung ist damit vor allem als technisches Instrument innerhalb eines umfassenderen Monitorings zu verstehen. Richtig geplant kann sie dazu beitragen, große oder schwer zugängliche Gebiete effizienter zu kontrollieren, Auffälligkeiten räumlich einzugrenzen und Suchteams am Boden gezielter einzusetzen.
Gerade dort, wo große Flächen regelmäßig oder kurzfristig überprüft werden müssen, können Drohnen mit Wärmebild- und Kameratechnik eine sinnvolle Ergänzung bestehender Verfahren zur Überwachung und Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest darstellen.
